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Darf man in Suggestionen keine Verneinungen verwenden? 31.07.2008
  Das Unbewusste versteht keine Negationen... oder doch? Ein Fachartikel von Dirk Treusch.

  Häufig fragen mich Seminarteilnehmer, Kollegen und Klienten, ob man in der Hypnose, besonders in hypnotischen Suggestionen Verneinungen verwenden darf. Meine hier folgende Antwort richtet sich gleichermaßen an meine Seminarteilnehmer, die am Anfang Ihrer Ausbildung stehen, wie an erfahrene Kollegen, die aus Überzeugung nur „negationsfreie“ Suggestionen anwenden.

Manche Therapeuten sind der Meinung, dass das Unterbewusstsein grundsätzlich keine Negationen versteht. Nur der Verstand sei für die Interpretation von Negationen zuständig. Im Rahmen dieser Sichtweise wird eine Suggestion wie „Sie werden keine Angst mehr haben“ vom Unterbewusstsein als die Suggestion „Sie werden Angst haben“ aufgenommen. Schon die Nennung der Angst würde also grundsätzlich zum Erleben von Angst führen, und daher sei eine Suggestion in der Art „Sie werden frei von jeder Angst sein“ als eine Suggestion zur Verstärkung der Angst zu sehen.

Ich bitte Sie nun darum, dass Sie sich nicht, unter keinen Umständen, das folgende recht ungewöhnliche Szenario, das die Lösung zu diesem Problem enthalten kann, genau vorstellen: Ein hellblauer Elefant trägt auf seinem Kopf eine kleine rosafarbene Pyramide. Auf der Spitze dieser Pyramide balanciert er einen runden Gegenstand. Was könnte das für ein Gegenstand sein?

Obwohl ich Sie gerade gebeten habe, dass Sie sich das Szenario NICHT vorstellen, haben Sie es sich wahrscheinlich – wie wohl die Mehrzahl der Leser – trotzdem vorgestellt. Der Grund dafür ist einfach: Um zu wissen, an was genau wir NICHT denken sollen, müssen wir diese Sache zunächst definieren. Um sie zu definieren, müssen wir sie uns vorstellen, also daran denken. Erst wenn wir wissen, an was wir NICHT denken sollen, können wir damit fortfahren, tatsächlich nicht daran zu denken. Doch dann ist es natürlich schon zu spät, denn wir haben bereits daran gedacht.

Aus diesem Zusammenhang schließen viele, dass wir in der Hypnose niemals von dem sprechen dürfen, was der Klient loswerden möchte. Wenn der Klient nicht mehr an hellblaue Elefanten denken soll, dann gäbe es, so die Argumentation, bessere Wege zum Erreichen des Ziels, als ihm zu sagen, dass er nicht mehr daran denken soll.

Die auf diesem Zusammenhang basierende Ableitung, dass das Unterbewusstsein keine Negationen versteht, ist jedoch nicht richtig. Sie KANN gar nicht richtig sein. Lassen Sie mich erläutern:

Wenn Sie einem Klienten suggerieren, dass sein Arm kataleptisch ist, und dass er seinen Arm nicht mehr bewegen kann, dann wird er seinen Arm auch NICHT mehr bewegen. Wäre die obige Annahme korrekt, dann müsste sein Unbewusstes verstehen, dass er seinen Arm durchaus noch bewegen kann. Showhypnotiseure suggerieren ihren Show-Teilnehmern gerne, dass ein Fuß unbeweglich am Boden festgeklebt ist und dass sie dringend auf die Toilette müssen, sich aber NICHT in die Hose machen können. Noch niemals jedoch habe ich gehört, dass sich ein Teilnehmer in die Hose gemacht hätte, weil sein Unbewusstes keine Negation verstehen würde.

Was also stimmt nun? Einer der Sätze, den meine Seminarteilnehmer oft von mir hören, lautet: „Das Unbewusste ist nicht blöd!“ Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund dafür, warum das Unbewusste eine Negation nicht ebenso wie alle anderen Formen von Aussagen verstehen sollte. Meine Erfahrungen in der rapportorientierten direktiven Hypnose belegen diese Tatsache.

Damit das Unbewusste versteht, dass es den Arm nicht bewegen kann, muss es nicht erst ausprobieren, wie es sich anfühlt, den Arm bewegen zu können, denn das hat es schon so oft getan, dass die Information bereits vorhanden ist. Damit das Unbewusste versteht, „dass es nicht in die Hose machen kann“, braucht es nicht erst zu probieren oder sich auch nur vorzustellen, wie es ist, in die Hose zu machen. In beiden Fällen existiert nämlich bereits eine „abrufbare“ Definition des mittels der Negation suggerierten Zielzustandes.

Es entscheidet sich an der Antwort auf die Frage, ob bereits eine abrufbare Definition des mittels Negation suggerierten Zielzustandes existiert, ob eine Suggestion produktiv oder kontraproduktiv ist. Hier einige Beispiele:


Beispiele für produktive Suggestionen, bei denen der unerwünschte nicht negierte Zielzustand nicht erst kreiert  werden muss, um die Negation zu erzeugen, sondern die negierte Aussage „als ganze“ direkt vorgestellt wird:

• Sie können ihren steifen Arm NICHT mehr bewegen. Je mehr Sie es versuchen, umso unbeweglicher wird er.

• Sie sind jetzt NICHTraucher, denn Sie sind frei.

• In Ihrer Zukunft sind KEINE Zigaretten mehr in Ihrem Leben. Die Luft ist frisch und klar.


Beispiele für kontraproduktive Suggestionen, bei denen der unerwünschte nicht negierte Zielzustand erst kreiert werden muss, um anschließend die Negation zu erzeugen:

• Denken Sie jetzt NICHT an einen rosa Elefanten.

• Stellen Sie sich jetzt NICHT vor, wie Sie genüsslich an einer Zigarette ziehen. Denken Sie NICHT an das Gefühl der Entspannung, so wie sie es früher so oft gespürt haben.

• Die Zuhörer bei dem Vortrag, vor dem sie jetzt KEINE Angst mehr haben, werden NICHT böse schauen. Dieser vertraute Druck auf Ihrer Brust, der Ihnen den Atem abschnürt und das Sprechen schwer macht, ist jetzt NICHT mehr spürbar.


In welchen Fällen sind nun Suggestionen, die Negationen enthalten, wirklich sinnvoll?

1. Wenn die Formulierungen zur Vermeidung des Negation kompliziert, unpassend und gekünstelt wirken würden. Das Unbewusste nimmt den Begriff „Nichtraucher“ zum Beispiel ohne Nebenwirkungen als Ganzes auf. Es ist nicht notwendig, den Begriff langwierig zu umschreiben. Das bedeutet natürlich nicht, dass eine Vertiefung des positiven Zielzustandes, z. B. in der Progression, mit umfangreicher Beschreibung in allen Sinnesmodalitäten, durchaus sinnvoll ist. Dort wo sich der positive Zielzustand leicht, einfach und passend mit einer Negation beschreiben lässt, ist eine Negation sinnvoll und wird vom Unbewussten angenommen.

2. Wenn das negierte unerwünschte Verhalten im direkten Vergleich zum nicht negierten unerwünschten Verhalten dargestellt wird. Beispiel: Progression in die Zukunft als Raucher, direkt anschließend Progression als Nichtraucher. In einem solchen Fall ist es tatsächlich sinnvoll und auch wirkungsvoll, das Unbewusste ohne Umschweife und in ganz normaler Sprache auf den Unterschied hinzuweisen: Hier sind KEINE Zigaretten in Deinem Leben, Deine Kleidung riecht frisch, u.s.w.

Bei der direkten verbalen Anwendung von Suggestionen ist natürlich die Betonung entscheidend. So kann ich bei korrekter Betonung eine Analgesie sehr erfolgreich mit einer negierten Suggestion erreichen: „Ich arbeite jetzt an Ihrem Arm, Sie spüren, dass ich hier arbeite, aber Sie merken KEINERLEI Schmerz. Sie fühlen sich wohl.“ Solange die Betonung auf „keinerlei“ liegt und die Suggestion zuversichtlich, bestimmt und routiniert gesprochen wird, ist Sie nach meiner Erfahrung genau so wirkungsvoll wie die Alternative „Sie spüren, dass ich hier arbeite und Sie fühlen sich dabei vollkommen wohl.“

Kurz gesagt: „Kein Schmerz“ versteht das Unterbewusstsein genau so wie „Nichtraucher“ – es sei denn, man würde unnatürlich auf „Schmerz“ oder „-raucher“ betonen oder analog markieren. Umfangreiche Beschreibungen des unerwünschten Zustandes, nur um ihn anschließend zu negieren, sind jedoch kontraproduktiv, wenn der unerwünschte Zustand gar nicht erst wahrgenommen werden soll. Wenn der unerwünschte Zustand jedoch präsent ist (wie z. B. im Dickens-Prozess), dann kann ein Bezug dazu sinnvoll sein, um den Unterschied zu verdeutlichen.

Dirk Treusch
www.treusch.de
   
Eingestellt von*:   Dirk Treusch www.treusch.de
Zugeordnet: Coaching & BeratungKategorieHypnose
   
   


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