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GLOSSAR :: SelbstReflexion
SelbstReflexion  
 
Selbsterkenntnis setzt nach der Definition von Rudolf Eisler voraus:

- Selbstbewusstsein bzw- bewusstheit ("ein reflexives, besonnenes Bewusstsein des eigenen Ich"), und

- Objektivität des Selbstbildes bzw. Überwindung des eigenen Narzissmus ("richtige Beurteilung der Eigenschaften, Dispositionen, Kräfte, Werte des selbst, geschöpft aus der Vergleichung der Betätigungen und Reaktionen des Ich im Leben, in der sozialen Gemeinschaft.")

Nach Sokrates ist Selbsterkenntnis Bedingung der Sittlichkeit (Xenoph., Memor. IV, 2, 24 ff.). (Quelle: Rudolf Eisler, Wörterbuch der philosophischen Begriffe [1]) Sokrates hat den besonnenen Gleichmut als besondere Tugend gepriesen. Im Dialog "Charmenides" wird die Frage, was Besonnenheit sei, damit beantwortet, das Seine und damit das Gute zu tun. Besonnenheit ist dadurch für Sokrates gleichbedeutend mit Selbsterkenntnis. - "Erkenne Dich selbst" stand über über dem Eingang des Apollontempels zu Delphi.

Selbsterkenntnis ist nach Erich Fromm die treibende Kraft der gesamten Psychologie (Fromm, Die Kunst des Liebens).

Insofern man mit Erkenntnis (ungenau) das Sich-Aneignen von Sinngehalten verstehen kann (Schischkoff 1982), sind Selbstreflexion, Selbstfindung und Selbsterkenntnis als Synonyme aufzufassen. Anreiz zu diesem Erkennen ist die Überwindung der "Subjekt-Objekt-Spaltung". Nach Karl Jaspers liegt "Selbstreflexion innerhalb der umfassenden Beziehung des Bewußten und Unbewußten" (Jaspers 1913). Subjekt-Objekt-Spaltung bestände insofern auch in uns selbst, eben im inneren Gegensatz von bewusst und unbewusst, nicht nur in unserem stets unvollkommenen Bezug zur Aussenwelt. - Indem man mit Selbsterkenntnis auch den Grad der gewonnenen Selbsteinsicht oder Selbstkritik bezeichnen kann, wird mit Selbstreflexion auch die bereits erreichte Stufe des "Selbstbewusstseins" beschrieben. Selbstreflexion ist eine grundlegende menschliche Fähigkeit, die Gegenstand der Verstehenden Psychologie ist. Sie ist auch Grundlage der Intersubjektivität, also des Verstehehens von anderen Menschen. Zur Selbstreflexion gerechnet wird von Jaspers Selbstbeobachtung, Selbstverständnis und Sichoffenbarwerden.

In seiner Schrift "Erkenntnis und Interesse" setzt sich Habermas (1965) kritisch auseinander mit dem von Husserl gebrauchten Begriff der transzendentalen Selbstreflexion. Diese wird als unverträglich mit dem von Husserl selbst kritisierten Objektivismus der Wissenschaften angesehen, da Sachverhalte nach Husserl nur deskriptiv (mit Hilfe von Beschreibung) erfasst werden. Husserl selbst erkläre das damit, dass sich die Wissenschaften von den Interessenlagen einer sinnstiftenden Subjektivität nicht gelöst hätten. Die von Husserl geforderte "neue Theorie" kann es jedoch nach Habermas ohne grundlegende Vergegenständlichungen nicht geben, aus dem gleichen Grund wie die "alte Theorie" auf die grundlegenden Begriffe des Seins (Ontologie) und des Kosmos (Kosmologie) gestützt war. Dies aber widerspreche einer Selbstreflexion, die von "naiver Einstellung" befreit sei (transzendental-phänomenologische Reduktion). Alle unsere Vorstellungen über Sein und Kosmos sind einem ständigen Wandel unterworfen. Erkenntnis und Selbsterkenntnis können sich nicht hierauf stützen. Dieser Widerspruch führt Habermas zu der Annahme, dass Husserl mit seiner Analyse einer Verschleierung des Interesses an Erkenntnis erlegen ist. Jeder Art von Erkenntnis liegt nach Habermas ein spezifisches Interesse zugrunde. Selbstreflexion ermögliche dessen Wahrnehmung, aber gleichzeitig auch eine begrenzte Freiheit aus dieser Abhängigkeit. Dieses Grenzbewußtsein von Gegensätzen und ihrer Überwindung wiederum halte die Reflexion als elementaren Lebensvorgang weiter aufrecht. Im Sinne der Ideologiekritik und der Psychoanalyse (s.u.) bedeute Selbstreflexion die Distanzierung aus der „Abhängigkeit von hypostasierten Gewalten“. „In der Kraft der Selbstreflexion sind Erkenntnis und Interesse eins.“ Jede Wissenschaft befasse sich auf eine ihr eigene Weise mit der Überwindung des spezifischen Grenzbewußtseins. Aufgrund solcher Festlegung beruhe die jeder Wissenschaft eigene Methode. Das kann man auch als Methodenzwang oder als "falsches Bewusstsein" bezeichnen. Auf der Ebene der Selbstreflexion fehlten den Wissenschaften die Mittel, um Risiken zu begegnen, die sich aus dem einmal durchschauten Zusammenhang von Erkenntnis und Interesse ergeben. Habermas erläutert diese Thesen am Beispiel der empirisch-analytischen Wissenschaften (Naturwissenschaften), der historisch-hermeneutischen Wissenschaften (Geisteswissenschaften) und der systematischen Handlungswissenschaften (Ökonomie, Soziologie und Politik). Eine Abgrenzung von Selbstreflexion und Interesse sollte sich also eines fundamentalen Zusammenhangs stets bewusst bleiben.

In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass Bewusstseinsakte, auf die sich der Prozess der Selbsterkenntnis ja stützen muss, nach Brentano immer intentional sind.

Selbst bezeichnet im Sinne der Psychoanalyse die Vorstellungen über einen selbst und seine Beziehungen zur Umwelt. Selbsterkenntnis in diesem Zusammenhang ist der Wissens-Erwerb über die eigenen psychischen Fähigkeiten, Möglichkeiten und Realitäten. Sie ist Voraussetzung der Selbstverwirklichung.

Quelle: www.wikipedia.de
Autoren: Giramo, Mike Krüger, Anaxo, LKD, Chatter u.a.
Dieser Eintrag unterliegt der GNU Lizenz für freie Dokumentation (GFDL). Hier finden Sie die Lizenzbestimmung.
   
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