Es klingt mystisch, und es klingt abenteuerlich: Birgit van der Heiden behauptet, durch Hypnose überflüssige Kilos zum Schmelzen zu bringen und dem Körper auf diese Weise zu seinem ureigenen Gewicht zu verhelfen. Die geprüfte Hynose-Beraterin mit Zertifikat vom Institute of Clinical Hypnotherapy & Psychotherapy (Irland, Leitung Dr. Joe Keaney) beteuert außerdem: „Einmal abgespeckte Pfunde sind nach den Hypnosesitzungen für immer verschwunden, Diäten können Sie künftig vergessen.“ Sie belegt diese These mit Erfolgen aus bisher 10 Jahren Tätigkeit als Hypnotiseurin.
Hat die 48-Jährige damit ein „Perpetuum mobile“ für Übergewichtige erfunden – etwas, das sich selbst erzeugt und wissenschaftlich gesehen gar nicht gibt? „Natürlich nicht“, lacht sie: „Die Hypnose ist eine uralte Wissenschaft. Sie wurde in antiken Kulturen genutzt, um psychische und physische Probleme zu behandeln.“ Im Laufe der schulmedizinischen Entwicklung sei die hypnotische Suggestion als Mittel in Vergessenheit geraten. „Noch schlimmer: sie rutschte als angebliche Gehirnwäsche oder als Show-Element in negative Schlagzeilen.“
Völlig zu Unrecht, sagt van der Heiden. Sie studierte Betriebswirtschaft mit Fachbereich Werbung und war früher Dozentin für Werbetextgestaltung an der Werbefachlichen Akademie Stuttgart (der heutigen Akademie für Marketing und Kommunikation) und weiß, wie Manipulation des Unterbewusstseins funktioniert: „Diese Mechanismen werden ja speziell in der Werbung gezielt eingesetzt.“ Die Seriöse Hypnose-Sitzungen sind keine Beeinflussung: „Die Klienten haben jederzeit die Kontrolle, da der bewusste Verstand nicht ausgeschaltet ist und können jederzeit in Ablauf eingreifen.“ Sie selbst kam so in den 1980-er Jahren zu ihrem Traumgewicht: „Ich habe es auch über die Schwangerschaften mit meinen beiden Söhnen hinweg völlig problemlos gehalten – bis heute, ohne Diät, irgendwelche Einschränkungen oder Sportzwang“.
Dieses einschneidende Erlebnis und die damit verbundene Erkenntnis, welch faszinierende Welt das Unterbewusstsein mit seinen nahezu unbegrenzten Möglichkeiten und Gesetzmäßigkeiten ist und welche Heilungsmöglichkeiten damit verbunden sind, war einer der Auslöser für ihren Wechsel aus der Werbebranche zur selbständigen Hypnotiseurin.
Wie funktioniert eine Hypnose-Sitzung zur Regulierung des Übergewichtes? Hier das Interview mit einer Klientin, die gerade mitten in Hypnosesitzungen steckt:
Frage: Was hat sie veranlasst, Hypnose- Sitzungen zu machen?
Antwort: Die pure Verzweiflung. Trotz Diäten, Hungern, Kuraufenthalt mit 1200-Kalorien-Kost und trotz einiger Jahre vegetarischer Ernährung – ich habe nicht abgenommen, ich wurde kontinuierlich runder. Weder vom Körperbau noch von der genetischen Disposition her bin „Typ schmales Reh“, und das strebe ich auch gar nicht an. Aber es wurde mir zuviel. Zudem wurde mir nach einer Erkrankung dringend empfohlen, abzuspecken. Aber wie? Eigentlich blieb nur noch radikale Null-Diät, und das für Monate. Das war auch keine Lösung.
Ich habe von der Hypnotiseurin im Zentrum für alternative Heilmethoden in Rödermark gelesen und wusste intuitiv: Das probiere ich aus. Denn ebenso intuitiv weiß ich, dass dieses Übergewicht nicht nur alters-, ernährungs- oder genetisch bedingt sein kann.
Frage: Und wie ging das nun im Einzelnen vor sich?
Antwort: Frau H. hat sich mit mir zur Anamnese zusammengesetzt. Das heißt, sie hat mich über meine Motivation, meine Erwartungen und zu Details aus meinem Leben befragt. Dieses Vorgespräch ist auch deshalb wichtig, um auszutesten, ob Klientin und Therapeutin „miteinander können“, ob die Chemie stimmt. Eine Hypnose ist eine sehr intime Angelegenheit. Da muss Vertrauen herrschen. – Ein paar Tage später ging es dann „ans Eingemachte“, an die erste Sitzung.
Frage: Wie fühlt man sich da?
Antwort: Zuerst mal mulmig. Und leicht nervös. Wie beim Zahnarzt… Die Atmosphäre im Beratungszimmer trägt aber sehr zur Entspannung bei. Ich lag auf der Couch, Frau H. saß neben mir und leitete mich mit ruhigen Worten in weitere Entspannung über. Wer mag, kann dabei auch meditative Musik genießen. Ich habe Erfahrung mit autogenem Training und Meditation, es fiel mir deshalb leicht, die Worte von Frau H. auf mich wirken zu lassen und mich in meiner Fantasie zu einer Landschaft oder in unterirdische Gefilde führen zu lassen. Aber das klappt auch ohne Erfahrung. Man muss sich nur vertrauensvoll darauf einlassen.
Frage: Das heißt, Sie fühlten sich wie in einer Meditation?
Antwort: Ja, denn das ist Hypnose: Man überlässt sich völlig entspannt den Bildern, die vor dem inneren Auge aufsteigen. Wir kennen doch alle solche Situationen: Man sitzt auf der Couch oder im Bus oder im Zug, döst ein und hat „Tagträume“, fühlt sich, als ob man schläft – gleichzeitig nimmt man alles wahr, was ringsherum geschieht, hört die Geräusche und die Gespräche. Der Unterschied ist: Man spricht alles laut aus, was man sieht oder empfindet. Zudem führt die Hypnotiseurin in bestimmte Situationen – zu einem Weg im Wald, in einen Garten oder unter die Erde. Der Klient erlebt visuelle Situationen, die er dann nach seinem eigenen Gefühl deutet. Es kommen auch Gefühle: Freude, Trauer, Wut, Schmerz, Glück. Wichtig ist, sie alle zuzulassen – ganz und gar ’rauszulassen. Schreien und Weinen ist erlaubt, ja wichtig! Frau H. fragt dabei nicht, insistiert und interpretiert nicht, sie begleitet. Alles andere ist Aufgabe der Klienten.
Ich fand mich in dieser ersten Sitzung in einer der tragischsten und entsetzlichsten Situationen meines Lebens wieder. Sie löste sich auf und damit auch mein Schuldgefühl, das ich seit langem mit mir herumschleppte, obwohl ich mit dem Geschehen nichts zu tun hatte.
Frage: Wie ging es Ihnen nach diesem Erlebnis?
Antwort: Ich war erschöpft, alles war sehr emotional verlaufen. Ich ruhte noch eine Weile aus.
Frage: Und dann gingen Sie nach Hause und haben rapide abgenommen? Antwort: Nein, überhaupt nicht! Ich habe mich gelassen und innerlich völlig in der Balance gefühlt – aber ich hatte solche Hunger-Attacken wie noch nie in meinem Leben. Das Phänomen war: Es war mir völlig egal, ob ich zu- oder abnehme. ich habe es mir so richtig gegönnt, feine Sachen zu essen – und zwar voller Lust und Freude. Es schien, als ob ich mich für all die vielen, vielen Jahren entschädigen wollte, in denen ich mich an Leib und Seele kasteit habe.
Frage: Ist das der „Homöopathie-Effekt“: verschlimmerte Symptome?
Antwort: Könnte man so sagen. Mit dem Unterschied, dass ich das nicht schlimm empfunden habe, sondern wohltuend. Es war mir völlig egal, wie ich aussehe, ich habe mich rundum gut gefühlt. Das tat richtig gut!
Frage: Aber Ihr Ziel ist es doch nach wie vor, abzunehmen?
Antwort: Natürlich, aus gesundheitlichen und aus ästhetischen Gründen (für Schlanke sind die Klamotten meist schicker und preisgünstiger...)! Aber in der zweiten Sitzung habe ich etwas erlebt, das ich im Wortsinne wie ein Geschenk des Himmels empfinde. In einer geradezu überwältigenden Vision wurde mir bedeutet: Jeder Körper – jeder! – ist ein Werk Gottes, ein Geschenk Gottes an den Menschen, ein Tempel Gottes. Jeder Körper ist in seiner Einzigartigkeit von unendlicher Kostbarkeit.
Dieses Bewusstsein macht es mir leichter, mit meinen überflüssigen Pfunden etwas souveräner umzugehen.
Frage: Wie geht es nun weiter?
Antwort: Ich spüre, dass sich im Körper was tut. Die Hungerattacken gehen rapide zurück. Immer öfter habe ich zwar Hunger, aber überhaupt keine Lust, etwas zu essen. Ich habe ja alles, was ich brauche… Abgenommen habe ich noch nichts. Aber etwas anderes ist geschehen: Ich fühle mich von einer völlig neuen Energie erfüllt – so stark, wie ich es seit Jahren nicht mehr gekannt habe. In der Woche nach der zweiten Hypnosesitzung habe ich mehr körperlich und geistig geleistet als in den drei Monaten vorher. Ich denke, diese neue Energie setzt sich immer stärker in Bewegung um: Ich bewege mich auf mein Ziel zu – und das ist ein neues, freieres Leben mit einer „befreiten“ Figur. M.T. Magin